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Presseberichte

Die WOCHENSPIEGEL 15. April 2007
Große emotionale Vielfalt steckt in Mimik und Gestik
Alexander Neander vermittelte Grundlagen der Pantomime
»Achtung - Licht« Ein Junge betritt den Raum vor den Zuschauern, geht auf einen Stuhl zu, setzt sich - fährt hoch, schreit und verlässt humpelnd, sich das Hinterteil reibend, das Szenario im Pavillon der Waldorfschule. Doch der Junge leidet nicht wirklich Schmerzen und jetzt setzt auch der Applaus durch die anderen Workshop Teilnehmer ein.
Pantomime Alexander Neander, ehemaliger Schüler der renommierten Schule von Marcel Marceau bot in einem Workshop in der Waldorfschule an, den Einsatz von Körpersprache zu erlernen. Viele Interessierte folgten der Einladung. Alle Teilnehmer erhielten unter anderem die Aufgabe, sich auf einen imaginären Stuhl mit einem imaginären Nagel zu setzen.
Originalartikel
»Ein Blick und die Leute sind mit dir«
»Spielen ohne Stimme ist nicht einfach« erläutert Alexander Neander, der mit Wolfram von Bödecker sein Studium in der renommierten Schule von Marcel Marceau in Paris absolvierte. »Für alles was man fühlt, kann man etwas sagen, singen, flüstern.« Doch selbst bei Marceau, dem Meister des Fachs, würde beim Üben zunächst die Stimme eingesetzt, obwohl es um Pantomime ginge. Doch dann müsse die Stimme wegfallen, Ihr Fehlen im Ausdruck gefüllt werden: »Der Schock, der in deiner Stimme war, den musst du in den Körper tun.«
Es gibt für den Workshop keine Bühne, keine Spots, kein Publikum. Fantasie und die Faszination am Sichtbarmachen von Weiten brachten die Interessenten von der Achtjährigen bis zum Erwachsenen mit. Wie sie ihren Ausdruck finden in der stillen Kunst der Pantomime, lernten sie einen Tag lang bei Neander, der sich sehr engagiert zeigte, wie Lehrer und Organisator Michael Delventhal begeistert erklärte: »Er arbeitete sehr professionell und feinfühlig mit den Teilnehmern. Er sagte sogar, er wäre auch für nur einen Schüler gekommen.« Doch der Workshop fand großen Zulauf, auch von außerhalb der Schule.
Und so setzte sich jeder in den Nagel, stets fiel die Darstellung verschieden aus; »Es gibt tausend Möglichkeiten«, so Neander, der seine Erläuterungen auch mit Vorführungen unterstützte, von einer Sekunde zur nächsten in Mimik und Gestik eine Vielfalt von Emotionen zaubert; routiniert und mit enormem Ausdruck, vor allem das hohe Maß an Körperbeherrschung und -bewusstsein teilt sich dem Zuschauer mit. Und dies ist Grundlage für die Pantomime.
So lässt Neander die Teilnehmer aufeinander zu gehen, wütend und schüchtern oder in Liebe und Mitleid. Das Geheimnis, das der Künstler lüftet; Es gilt, die Attitüde zu halten, die Energie nicht verpuffen zu lassen. Der Darsteller baut Spannung auf und muss sie sorgsam und wohlübertegt abbauen, »Liebe bleibt in der Gebärde, ohne Berührung, ihr müsst das füllen mit innerer Atmung«. Ein andermal fordert er einen Schüler dazu auf, die Augen auf die Zuschauer statt auf den Boden zu richten: »Ein Blick - und die Leute sind mit dir.«
Dem Publikum eine Situation erzählen, nennt Alexander Neander die Aufgabe der Pantomime und schwärmt von alten Meistern wie Chaplin aber auch von Zeichentrickfilmen wie Speedy Gonzales oder Tom und Jerry, wo diese pointierte Situationskomik greift, »das zu sehen macht Spaß«. Und das Lachen ist sehr wichtig, »es geht ja um Tragikomik, da spielt auch Schadenfreude eine Rolle. Man lacht, wenn jemand auf einer Banane ausrutscht«.
Das Thema Pantomime wurde im Unterricht mit den Schülern vor- und nachbereitet, Viele Schüler, berichtet Michael Delventhal, brachten nach der Schulauführung am Abend Eltern und Freunde mit - ein Effekt, den der Waldorflehrer bereits kennt: Die Schüler nehmen Einfluss auf die Eltern, »die verändern sich durch unsere Schüler mit.« Schauspiel gehört zum Unterrichtsangebot, das auch auf künstlerische und hand- werkliche Schwerpunkte ausgerichtet ist, »das bildet die Persönlichkeit.«
Die gezielte Arbeit an sich selbst, an der Beherrschung von Gesten, Gesichtsmuskeln, Augenausdruck und Bewegung, Emotion zulassen und zurücknehmen, hält die Workshopteilnehmer selbst nach sechs Stunden fast ohne Pause gefangen. Eine Atmosphäre der Konzentration kommt auf, sobald Neander die nächste Teilnehmerin aufruft, »Okay, Mademoiselle - Licht!«
Margitta True
Originalartikel
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